Am Anfang steht eine Rechnung, die verlockend aussieht. Ein Baukasten kostet ein paar Euro im Monat, WordPress selbst kostet gar nichts, und Vorlagen gibt es zuhauf. Eine Agentur ruft dagegen vierstellige Beträge auf.
Trotzdem ist die Frage „Website selbst machen oder machen lassen?“ keine reine Preisfrage. Sie ist eine Frage danach, was die Seite leisten soll und was deine eigene Zeit wert ist. Beides steht in keinem Angebot.
Zu meiner Arbeit gehört es, Websites zu betreuen und zu verbessern. Trotzdem rate ich nicht jeder Person dazu, die eigene Website machen zu lassen. Es gibt Situationen, in denen Selbermachen die klar bessere Entscheidung ist, und die stehen in diesem Beitrag genauso drin wie die anderen.
Die Frage hinter der Frage
Wer überlegt, die Website selbst zu bauen, vergleicht meistens Geld mit Geld. Angenommen, das eine Angebot kostet 15 Euro im Monat und das andere 2.000 Euro einmalig. Dann fällt die Entscheidung scheinbar leicht.
Der Vergleich ist aber unvollständig, weil auf der einen Seite deine Arbeitszeit fehlt. Für eine erste eigene Website gehen schnell mehrere Dutzend Stunden drauf, verteilt über viele Wochen. Diese Stunden erscheinen auf keiner Rechnung, sie fehlen dir nur woanders.
Die sechs folgenden Fragen beantwortest du am besten schriftlich. Danach weißt du in aller Regel selbst, wohin es geht, und du brauchst keine Empfehlung von außen mehr.
Was soll die Website tatsächlich leisten?
Es macht einen erheblichen Unterschied, ob deine Seite nur existieren muss oder ob sie Aufträge bringen soll. Eine Visitenkarte im Netz, auf der Menschen deine Leistungen und deine Kontaktdaten finden, ist eine überschaubare Aufgabe.
Sobald die Seite verkaufen soll, kommen andere Dinge dazu: eine durchdachte Struktur, Texte, die zur Kaufentscheidung führen, Auffindbarkeit bei Suchmaschinen und messbare Wege zum Kontaktformular. Das ist weniger eine Gestaltungs- als eine Strategiefrage.
Sei an dieser Stelle ehrlich zu dir. Wenn die Website in den nächsten zwölf Monaten hauptsächlich dazu da ist, überhaupt vorhanden zu sein, ist das ein völlig legitimes Ziel und spricht klar fürs Selbermachen.
Wie viele Abende hast du wirklich übrig?
Die meisten unterschätzen nicht die Technik, sondern den Umfang. Eine Website besteht nicht nur aus einer Startseite, sondern zusätzlich aus Leistungen, Über mich, Kontakt, Impressum, Datenschutz und meistens einem Blog.
Rechne ehrlich, wie viele Stunden pro Woche du dafür freischaufeln kannst, und über wie viele Wochen du das durchhältst. Zwei Abende pro Woche über drei Monate sind machbar. Zwei Abende pro Woche neben einer Anstellung, einem Kind und einem Kundenprojekt sind es selten.
Halbfertige Websites sind teurer als beide Varianten, weil sie monatelang nichts einbringen und trotzdem Kraft kosten. Wenn du absehen kannst, dass es knapp wird, entscheide dich lieber gleich für den kleineren Umfang.
Was kostet dich eine Woche eigener Arbeitszeit?
Das ist die Rechnung, die kaum jemand aufmacht. Nimm deinen eigenen Stundensatz und multipliziere ihn mit den Stunden, die du für die Website einplanst. Bei 40 Stunden und einem Satz von 65 Euro stehen 2.600 Euro auf dem Zettel.
Diese Zahl ist kein Argument gegen das Selbermachen. Sie ist nur die zweite Hälfte des Vergleichs, die sonst fehlt. Entscheidend ist die Anschlussfrage: Hättest du in diesen 40 Stunden tatsächlich bezahlte Arbeit gehabt?
Wenn deine Auftragsbücher gerade leer sind, kostet dich die eigene Zeit wenig, und Selbermachen wird günstig. Wenn du Anfragen absagen müsstest, um an der Website zu arbeiten, dreht sich die Rechnung um.
Wer kümmert sich, wenn die Seite online ist?
Eine Website ist kein Projekt mit Enddatum, sondern etwas, das laufend gepflegt werden will. Updates, Sicherungen, kleine Textänderungen und gelegentlich eine Fehlermeldung gehören dauerhaft dazu.
Diese Frage entscheidest du unabhängig von der ersten. Es ist völlig üblich, die Seite selbst zu bauen und die Pflege abzugeben, und ebenso üblich, sie bauen zu lassen und danach selbst zu übernehmen. Was zur laufenden Pflege gehört, steht im Beitrag zur WordPress-Wartung.
Was du nicht tun solltest, ist die Frage offenzulassen. Eine ungepflegte Website ist nach zwei Jahren ein Sicherheitsrisiko, und das merkst du meistens erst, wenn es zu spät ist.
Woher kommen die Inhalte?
Hier scheitern die meisten Projekte, und zwar unabhängig davon, wer die Seite baut. Das Aussehen steht nach zwei Wochen, und dann liegt das Projekt sechs Monate still, weil die Texte fehlen.
Die Inhalte kommen inhaltlich immer von dir, weil niemand dein Angebot so gut kennt wie du selbst. Die Frage ist nur, ob du sie auch selbst formulierst oder ob dir jemand beim Ordnen und Zuspitzen hilft. Worauf es dabei ankommt, habe ich in den Tipps für Website-Texte zusammengeschrieben.
Ein guter Test: Schreib die Startseite in einem einzigen Nachmittag herunter, ohne an Gestaltung zu denken. Wenn dir das leichtfällt, machst du die Texte selbst. Wenn du nach zwei Stunden bei drei Sätzen stehst, weißt du ebenfalls Bescheid.
Was passiert, wenn etwas kaputtgeht?
Irgendwann zeigt jede Website eine Fehlermeldung oder gar nichts mehr. Die Frage ist nur, ob dich das einen Nachmittag kostet oder einen Anruf.
Wer die Seite selbst gebaut hat, kennt sie und findet sich zurecht. Das ist ein echter Vorteil des Selbermachens, den man selten erwähnt. Das gilt allerdings nur, wenn es ein Backup gibt, das schon einmal zurückgespielt wurde.
Bring diesen Punkt in beiden Varianten in Ordnung, bevor du online gehst. Was im Ernstfall zu tun ist, steht im Beitrag WordPress gehackt oder nach dem Update kaputt.
Der Mittelweg, den kaum jemand nennt
Die Frage wird meistens so gestellt, als gäbe es nur zwei Antworten. Tatsächlich lässt sich fast jede Website in Teile zerlegen, und für jeden Teil kannst du getrennt entscheiden.
Ein häufiger und sinnvoller Zuschnitt sieht so aus: Struktur und technische Einrichtung gibst du ab, weil dort die Fehler teuer sind. Die Texte schreibst du selbst und lässt sie gegenlesen. Die Pflege danach gibst du wieder ab, weil sie regelmäßig anfällt und wenig Freude macht.
Genauso funktioniert die umgekehrte Reihenfolge. Du baust die erste Fassung selbst, bringst sie online und lässt sie später prüfen und nachschärfen, wenn die ersten Kundinnen da sind. Diese Variante ist besonders dann gut, wenn das Budget im ersten Jahr wirklich knapp ist.
Fazit: Es gibt keine allgemein richtige Antwort
Selbst machen ist die richtige Entscheidung, wenn das Budget knapp ist, die Seite zunächst vor allem existieren soll, du Zeit übrig hast und dir die Arbeit daran Freude macht. Das ist keine Notlösung, sondern für viele der vernünftige erste Schritt.
Machen lassen ist die richtige Entscheidung, wenn die Website Aufträge bringen soll, deine Zeit teurer ist als das Honorar, oder du am dritten Abend immer noch am Menü hängst. Auch das ist keine Kapitulation, sondern eine Rechnung.
Ob du deine Website selbst machen oder machen lassen solltest, entscheidet sich also an deiner Situation und nicht an einer allgemeinen Empfehlung. Wenn du magst, gehen wir die sechs Fragen einmal gemeinsam durch. Das Erstgespräch kostet nichts, und es endet gelegentlich damit, dass ich dir zum Selbermachen rate.
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