Aktualisiert am 26. Oktober 2026
Deine Startseite braucht am Handy ein paar Sekunden, bis das erste Bild erscheint. Du ahnst, dass deine Besucherinnen dabei ungeduldig werden, und fragst dich, ob die vielen Daten auch Strom kosten.
Green Webdesign bedeutet, dass deine Website mit möglichst wenig Daten auskommt. Das spart bei jedem Aufruf Energie und macht deine Seite schneller. Wie schnell eine Seite lädt, fließt außerdem in die Bewertung bei Google ein.
In diesem Beitrag zeige ich dir vier Hebel für Green Webdesign, mit denen deine WordPress-Website weniger Daten überträgt, ohne an Funktion oder Design zu verlieren. Danach erfährst du, welche Regeln seit dem 27. September 2026 für Umweltaussagen gelten.
Weniger Daten, weniger Energie: So funktioniert Green Webdesign
Jede Datei, die deine Website ausliefert, wird gespeichert, durchs Netz übertragen und auf dem Gerät deiner Besucherin verarbeitet. Dafür brauchen Rechenzentren, Netze und Endgeräte Strom. Je weniger Daten eine Seite überträgt, desto weniger Arbeit fällt bei jedem Aufruf an.
Für Solopreneure und kleine Unternehmen ist Green Webdesign vor allem ein praktischer Vorteil, denn eine schlanke Website lädt schneller und ist leichter zu pflegen.
Das W3C entwickelt die Standards des Webs. Eine Interessengruppe dort sammelt Empfehlungen für sparsame Websites in den englischsprachigen Web Sustainability Guidelines. Die folgenden vier Hebel kannst du ohne Programmierkenntnisse angehen.
Performance: Bilder, Code und Schriften verschlanken
Beim Green Webdesign geht es zuerst um die Performance-Optimierung, also um alles, was deine Seite beim Aufruf überträgt. Jedes Kilobyte, das wegfällt, spart Energie im Netz und auf dem Gerät deiner Besucherin.
Eine schnelle Seite hilft dir auch bei Google. Die Core Web Vitals messen, wie schnell eine Seite lädt, wie rasch sie auf Eingaben reagiert und wie ruhig ihr Layout bleibt. Google nutzt sie in seinen Rankingsystemen. Gute Werte allein garantieren aber keinen Platz weit oben. Was du darüber hinaus für deine Sichtbarkeit tun kannst, steht im Beitrag SEO für Solopreneure.
Diese vier Stellen kannst du in WordPress selbst angehen:
- Bilder: Speichere Fotos als WebP und in der Breite, in der sie auf der Seite erscheinen. Bilder weiter unten auf der Seite laden am besten erst beim Scrollen (Lazy Loading), und WordPress ergänzt das bei vielen Bildern von sich aus.
- Code: Ein Caching-Plugin sorgt dafür, dass der Server eine Seite nicht bei jedem Aufruf neu zusammenbauen muss. Plugins, die du nicht mehr brauchst, deaktivierst und löschst du, weil manche von ihnen auf jeder Seite eigene Skripte und Stile laden.
- Schriften: Beschränke dich auf wenige Schriftarten und lade nur die Schnitte, die du verwendest, zum Beispiel normal und fett.
- Videos und Animationen: Setze sie sparsam ein und bette Videos so ein, dass sie erst laden, wenn jemand auf Abspielen klickt.
Auf meiner eigenen Website lag ein Bild als PNG mit 6,7 Megabyte in der Mediathek. Als WebP ausgeliefert sind daraus 271 Kilobyte geworden. Wie du deine Ladezeit misst und in welcher Reihenfolge du vorgehst, steht in meinem Beitrag zur Ladezeit deiner Website.
Hosting: Woher dein Server seinen Strom bekommt
Zum Green Webdesign gehört auch der Server, auf dem deine Website liegt. Er läuft rund um die Uhr und braucht dafür Strom. Frag deshalb bei deinem Hoster nach, woher dieser Strom kommt und ob er aus erneuerbaren Energien stammt.
Ob dein Anbieter dafür Nachweise vorgelegt hat, zeigt dir der kostenlose Green Web Check der gemeinnützigen Green Web Foundation. Sie führt ein öffentliches Verzeichnis der Hoster, deren Nachweise sie geprüft hat. Warum ich das zugehörige Siegel nicht mehr auf meiner Website zeige, erfährst du weiter unten.
Bei der Wahl deines Hosters kannst du auf drei Dinge achten:
- Nachweise: Ein Hoster mit Ökostrom kann das mit Herkunftsnachweisen oder Zertifikaten belegen.
- Transparenz: Ein guter Hoster legt offen, woher sein Strom kommt und wie effizient seine Rechenzentren arbeiten. Ein Maß dafür ist der PUE-Wert, der angibt, wie viel Strom das Rechenzentrum insgesamt im Verhältnis zu den Servern verbraucht. Je näher er an 1 liegt, desto weniger Strom braucht das Rechenzentrum zusätzlich für Kühlung und Technik.
- Standort: Ein Server in der Nähe deiner Besucherinnen verkürzt die Wege und damit die Ladezeit.
Inhalte: pflegen statt anhäufen
Auch deine Inhalte zählen beim Green Webdesign, denn jeder Text, jedes Bild und jedes Video wird gespeichert, gesichert und bei jedem Aufruf übertragen. Eine langlebige Content-Strategie setzt deshalb auf Inhalte, die lange stimmen und gepflegt werden.
So bleiben deine Inhalte schlank und langlebig:
- Zeitlose Inhalte: Schreib Beiträge so, dass sie lange aktuell bleiben (Evergreen Content), und überarbeite einen Beitrag, statt zum selben Thema einen neuen anzulegen.
- Wiederverwertung: Mach aus einem Blogbeitrag einen Pin, einen LinkedIn-Beitrag oder einen Newsletter, statt für jeden Kanal von vorn anzufangen. Wie das mit System geht, steht im Beitrag zum Content Recycling.
- Zusammenführen: Zwei ältere Beiträge zum selben Thema führst du zu einem zusammen und leitest den zweiten mit einer dauerhaften Weiterleitung (301) auf den ersten um. So kommen auch Besucherinnen, die einem alten Link folgen, beim richtigen Beitrag an.
- Mediathek aufräumen: Bilder und PDFs, die nirgends mehr verwendet werden, belegen Speicherplatz auf dem Server und in jeder Datensicherung. Prüf vor dem Löschen, ob eine E-Mail oder eine Vorlage die Datei noch braucht, denn Medien haben in WordPress keinen Papierkorb.
Was sonst zur regelmäßigen Pflege deiner Website gehört, steht im Beitrag zur WordPress-Wartung.
Nutzerführung: Kurze Wege sparen Daten
Wenn deine Besucherinnen schnell finden, was sie suchen, rufen sie weniger Seiten auf und übertragen weniger Daten. Ein klares Design spart ihnen Zeit und deiner Website Energie.
So wird das Design deiner WordPress-Website schlanker:
- Klare Navigation: Ein Menü mit wenigen, eindeutig benannten Punkten führt mit weniger Klicks zum Ziel.
- Fokus auf das Wesentliche: Setze Animationen und Effekte nur dort ein, wo sie etwas erklären oder hervorheben, weil viele Effekte zusätzlichen Code laden.
- Barrierefreiheit: Eine barrierefreie Website ist meist auch klar strukturiert, und davon profitieren alle Besucherinnen. Was das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz verlangt und wen es betrifft, steht im Beitrag zur barrierefreien Website.
Neue Regeln für Umweltaussagen seit dem 27. September 2026
Wer mit Vorteilen für Umwelt oder Klima wirbt, muss sich seit diesem Tag an strengere Regeln halten. Grundlage ist eine EU-Richtlinie gegen Greenwashing, die Deutschland mit dem Dritten Gesetz zur Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) umgesetzt hat. Sie soll verhindern, dass Angebote umweltfreundlicher wirken, als sich belegen lässt.
Was sich ändert
Die Regeln gelten für jede Umweltaussage in der Werbung. Dazu zählen Texte, Bilder, Symbole und Siegel, zum Beispiel auf deiner Website, in deinem Newsletter oder auf Instagram. Für die Websites von Solopreneuren und kleinen Unternehmen sind vor allem vier Punkte wichtig:
- Allgemeine Aussagen: Wörter wie „grün“, „nachhaltig“, „umweltfreundlich“ oder „klimafreundlich“ sind nur noch erlaubt, wenn du auf derselben Seite klar und gut sichtbar erklärst, was genau gemeint ist. Ohne diese Erklärung brauchst du den Nachweis einer anerkannten hervorragenden Umweltleistung, etwa das EU-Umweltzeichen oder den Blauen Engel.
- Siegel: Ein Nachhaltigkeitssiegel darfst du nur noch zeigen, wenn es auf einem Zertifizierungssystem mit unabhängiger Kontrolle beruht oder von staatlichen Stellen festgesetzt wurde.
- Teil statt Ganzes: Eine Umweltaussage, die nur einen Teil deiner Arbeit betrifft, darf nicht so klingen, als gelte sie für dein ganzes Angebot oder dein ganzes Unternehmen.
- Ausgleich von Emissionen: Aussagen, nach denen ein Produkt klimaneutral, CO₂-reduziert oder klimapositiv ist, sind nicht mehr erlaubt, wenn sie auf dem Ausgleich von Emissionen beruhen, etwa über gekaufte Zertifikate. Für Aussagen über dein ganzes Unternehmen gilt dieses Verbot nicht, wohl aber die übrigen Regeln dieser Liste und das allgemeine Verbot irreführender Werbung.
Ein Beispiel: das Siegel für „grünes Hosting“
Auf manchen Websites steht ein Siegel, laut dem die Seite auf grünem Hosting läuft. Oft ist es das Badge der Green Web Foundation mit dem Satz „This website runs on green hosting – verified by thegreenwebfoundation.org“.
Ein solches Badge gilt nach den neuen Regeln sehr wahrscheinlich als Nachhaltigkeitssiegel. Ein Zertifizierungssystem im Sinne des Gesetzes setzt unter anderem voraus, dass ein unabhängiger Dritter überwacht, ob die Anforderungen eingehalten werden. Für die Aufnahme in ihr Verzeichnis prüft die Green Web Foundation die Nachweise der Hoster aber selbst. Außerdem ist „grünes Hosting“ für sich genommen eine allgemeine Umweltaussage. Ich habe das Siegel deshalb von meiner eigenen Website entfernt.
Statt eines Siegels kannst du konkret und mit Beleg beschreiben, was zutrifft. Ein Beispiel wäre: „Nach Angaben meines Hosters laufen seine Rechenzentren mit Strom aus erneuerbaren Energien.“ Dazu gehören ein Link auf die Quelle und das Datum, an dem du sie geprüft hast. Die Aussage muss stimmen, und sie darf nicht so klingen, als sei dadurch dein ganzes Angebot umweltfreundlich.
Nach dem Energieeffizienzgesetz müssen Rechenzentren in Deutschland ab einer Anschlussleistung von 300 Kilowatt ihren Stromverbrauch ab dem 1. Januar 2027 rechnerisch vollständig mit Strom aus erneuerbaren Energien decken. Als Besonderheit deines Angebots solltest du den Ökostrom deines Hosters deshalb nicht herausstellen.
Was das für dich bedeutet
- Suchen: Geh deine Website, deine Social-Media-Beiträge und deinen Newsletter nach Wörtern wie „grün“, „nachhaltig“, „umweltfreundlich“, „klimafreundlich“ und „CO₂-neutral“ durch.
- Konkret werden: Ersetze allgemeine Aussagen durch Angaben, die sich überprüfen lassen. Statt „Meine Website ist grün“ nennst du zum Beispiel, wie viele Kilobyte deine Startseite vor und nach der Bildoptimierung überträgt.
- Siegel prüfen: Nimm Siegel herunter, hinter denen kein Zertifizierungssystem mit unabhängiger Kontrolle steht. Das gilt auch für Siegel, die du selbst gestaltet hast.
- Belege aufbewahren: Leg für jede Umweltaussage, die stehen bleibt, einen Nachweis mit Datum ab.
- Ältere Inhalte mitdenken: Die Regeln gelten auch für Seiten und Beiträge, die schon länger online sind, denn eine Übergangsfrist gibt es nicht.
Dieser Abschnitt gibt den Stand vom 26. Oktober 2026 wieder. Er ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Ob eine bestimmte Aussage auf deiner Website zulässig ist, klärst du im Zweifel mit einer Rechtsberatung.
Fazit: Green Webdesign macht deine Website schlanker und schneller
Mit Green Webdesign kommt deine Website mit möglichst wenig Daten aus. Dafür sorgen kleine Bilder, schlanker Code und wenige Schriften, ein Hoster mit nachvollziehbarer Stromversorgung, gepflegte Inhalte und eine klare Nutzerführung. Deine Besucherinnen merken das an der Ladezeit.
Fang mit den Bildern an, denn auf meiner eigenen Website steckte dort das meiste Gewicht.
Sobald du mit Umweltvorteilen wirbst, ersetzt du allgemeine Wörter wie „grün“ oder „nachhaltig“ durch konkrete und belegte Angaben.
Wenn du nicht selbst messen möchtest, welche Dateien deine Website ausbremsen, übernimmt das der Website-Check ab 97 €.
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